PISA / Einflussfaktoren

PISA · Analyse

Warum fiel Deutschland bei PISA? Einflussfaktoren jenseits des Unterrichts

Stand: 27.09.2026. Grundlage: PISA-Mikrodaten 2000–2025 (Projektdaten), PISA-E 2000–2006, IQB-Ländervergleich 2012 / Bildungstrend 2018 und 2024. Punktwerte sind Mathematik. Faustregel: 100 PISA-Punkte ≈ 15 IQ-Punkte.

Leitfrage: Deutschland verlor von 2012 bis 2025 50 Punkte (514 → 464), Japan 11 (536 → 525). Welche Faktoren außerhalb von Unterricht und Lehrplan lassen sich in den Daten beziffern, und wie groß sind sie? Jeder Abschnitt nennt die Messung, die Größenordnung und wie eine hereditäre bzw. eine umweltorientierte Sicht den Befund liest.

1. Ausgangslage: Deutschland und Japan 2000–2025

200020032006200920122015201820222025
Deutschland gesamt490503504513514506500475464
Deutschland ohne Migrationshintergrund*509526519527528519518495491
Japan gesamt557534523529536532527536525
Anteil mit Migrationshintergrund DEU**15 %15 %14 %18 %13 %17 %22 %26 %29 %

* OECD-Definition „native“: mindestens ein Elternteil in Deutschland geboren. ** 1. + 2. Generation unter Schülern mit gültiger Angabe; Japan durchgehend unter 2 %.

  • 2006 lagen Schüler ohne Migrationshintergrund in Deutschland (519) praktisch gleichauf mit Japan (523).
  • 2012 → 2025: Deutsche ohne Migrationshintergrund −36, Japan −11. Der Abstand zu Japan wuchs also auch ohne die Zuwanderer um 25 Punkte.
  • Zusammensetzung: Mit den Gruppenwerten von 2025, aber der Zusammensetzung von 2012 läge Deutschland etwa 12 Punkte höher (Verschiebungsrechnung über einheimisch / 2. / 1. Generation). Etwa ein Viertel des Gesamtverlusts ist also Zusammensetzung, drei Viertel Verlust innerhalb der Gruppen.
Mathematik: Deutschland und Japan

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Mathematik, gewichtete Mittelwerte mit 95-%-Konfidenzintervall (ab 2015). „Ohne Migrationshintergrund“ = OECD „native“. Fahren Sie über einen Punkt für Details.

2. Verdeckte Herkunft: „einheimisch“ heißt nicht „ohne Migrationsgeschichte“

Einwand: Wer in dritter Generation in Deutschland lebt und innerhalb der Herkunftsgruppe heiratet, zählt in PISA als „einheimisch“, obwohl die Großeltern zugewandert sind.

Messung: PISA erfasst Großeltern nicht. Näherung: einheimische Schüler (mindestens ein Elternteil in Deutschland geboren), die zu Hause meist nicht Deutsch sprechen.

JahrAnteil unter „einheimischen“ SchülernMathe: zu Hause DeutschMathe: andere Sprachen
20152,9 %522449141
20184,5 %522444165
20225,0 %498431197
20254,8 %494434204

Häufigste Sprachen: Türkisch, „andere Sprache“, Italienisch, Englisch, Arabisch.

„Einheimische“ Schüler nach Familiensprache, Mathematik
zu Hause Deutschzu Hause meist eine andere Sprache
Eigene Auswertung der PISA-Mikrodaten (nur Schüler mit mindestens einem in Deutschland geborenen Elternteil). Kein Gegenstück im Diagramm-Studio — dort sind die Sprachgruppen nicht nach Migrationsstatus getrennt.
  • Diese Gruppe senkt den Wert der „Einheimischen“ um gut 3 Punkte; von 2015 bis 2025 erklärt ihr Wachstum etwa 1,3 Punkte des Rückgangs.
  • Die Näherung ist eine Untergrenze: Wer zu Hause Deutsch spricht, bleibt unsichtbar. Rechenbeispiel: 10 % verdeckte Herkunft mit 40 Punkten Rückstand → 4 Punkte.
  • Aber: Auch die deutschsprachigen Einheimischen fielen um 27 Punkte (522 → 494). Verdeckte Herkunft erklärt das Niveau teilweise, den Absturz kaum.
Hereditäre LesartDie Kategorie „einheimisch“ ist ethnisch nicht rein; der wahre Abstand zwischen Herkunftsgruppen ist größer als ausgewiesen.
UmweltlesartDie Gruppe spricht zu Hause eine andere Sprache — Sprachnachteil statt Abstammung.
Mathematik nach Familiensprache in Deutschland

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Zum Vergleich aus dem Diagramm-Studio: alle Schüler in Deutschland nach Familiensprache, unabhängig vom Migrationsstatus. Sprachgruppen erst ab 2015; Türkisch 2025 und Arabisch vor 2022 liegen im Studio nicht vor.

2b. Schrumpfen die Abstände, weil Zuwanderer aufholen — oder weil Einheimische fallen?

Vergleich „beide Eltern im Land geboren“ mit einzelnen Herkunftsgruppen (Mathe, absolute Werte):

LandGruppe200920122015201820222025
Belgienbeide Eltern im Land535535527527512506
BelgienTürkei433429438447431434
BelgienSubsahara-Afrika491470470466448–
BelgienMaghreb451454458457445–
Deutschlandbeide Eltern im Land529531524524501500
DeutschlandTürkei439453435450419426
Dänemarkbeide Eltern im Land511509519518498484
DänemarkTürkei420426424434429424
DänemarkSomalia413413450425425407
Schweizbeide Eltern im Land552552546539534528
SchweizTürkei457468462451457460
Österreichbeide Eltern im Land508518515517509501
ÖsterreichTürkei410425417422433417

Studio-Serien „beide Eltern im Land geboren“ und Herkunft Türkei („gesamt“); die Studio-Linien reichen für die Einheimischen bis 2000 zurück, die Tabelle beginnt 2009.

  • Die Türkeistämmigen liegen in allen fünf Ländern seit 2009 praktisch unverändert (±15). Der Abstand schrumpft (Belgien −101 → −72, Dänemark −91 → −60, Schweiz −95 → −69), weil die Einheimischen fallen, nicht weil die Zuwanderer aufholen. Subsahara-Afrikaner in Belgien fielen mit (Abstand −43 → −64).
  • Ist die verdeckte Herkunft der Grund für den Rückgang der Einheimischen? Drei Prüfungen:
    1. Größenordnung: Um den Median der deutschen Einheimischen um 29 Punkte (522 → 493, 2015–2025) zu senken, müssten rund 30 % der „einheimischen“ Schüler verdeckt aus Gruppen mit Werten um 430 stammen. Die Familiensprache weist knapp 5 % aus; auch großzügig gerechnet (Türkeistämmige 3. Generation) bleibt es bei wenigen Prozent — also 2–4 Punkte.
    2. Ländervergleich 2012 → 2025 (Einheimische): Länder mit langer Zuwanderungsgeschichte (BEL −32, DEU −36, NLD −34, FRA −32, CHE −27, AUT −22, DNK −26, SWE −8, GBR −6; Mittel −25) fielen nicht stärker als Länder fast ohne 3. Generation (FIN −45, POL −28, SVN −34, KOR −28, HRV −23, CZE −16, HUN −15, JPN −11, EST −10, SVK −6; Mittel −22).
    3. Auch europäischstämmige Zuwanderergruppen fielen wie die Einheimischen: Deutsche in Belgien 510 → 450, Niederländer in Belgien 533 → 480, Polen in Deutschland 497 → 469, Italiener in der Schweiz 510 → 481, Portugiesen in der Schweiz 505 → 460 — während Türkeistämmige stabil blieben.
  • Der Rückgang der deutschen Einheimischen trifft alle Leistungsbereiche, am stärksten die schwachen: 10. Perzentil 405 → 368, Median 522 → 493, 90. Perzentil 630 → 612 (2015 → 2025).
Hereditäre LesartDer Kern jeder Herkunftsgruppe ist stabil; der sinkende Wert der „Einheimischen“ spiegelt teilweise eine veränderte Zusammensetzung.
UmweltlesartEin allgemeiner Rückgang (Unterricht, Corona, Lehrermangel, Mediennutzung) traf alle Gruppen; bei Türkeistämmigen wurde er durch Integrationsfortschritte (mehr in Deutschland geborene Eltern, bessere Deutschkenntnisse) ausgeglichen. Für Letzteres spricht, dass europäischstämmige Gruppen genauso fielen wie Einheimische und dass der Rückgang in Ländern ohne 3. Generation gleich groß war.

3. Abwanderung von Akademikern

Zahlen (bpb, BiB): Rund 270.000–300.000 deutsche Staatsangehörige wandern pro Jahr aus (2023 etwa 300.000), etwa 75 % davon mit Hochschulabschluss — brutto also rund 200.000 Akademiker pro Jahr. Gleichzeitig kehren jährlich Deutsche zurück, 69 % davon Akademiker; 2023 gingen netto etwa 80.000 Deutsche mehr, als zurückkamen. Netto verliert Deutschland damit grob 60.000–80.000 Akademiker pro Jahr (ohne die Zuwanderung ausländischer Akademiker gegenzurechnen).

Wirkung auf PISA: Einheimische Kinder mit Eltern mit Hochschulabschluss erreichen 2025 im Schnitt 524 Punkte, 60 über dem Landesmittel (464).

Fehlender Anteil eines Jahrgangs aus AkademikerfamilienWirkung auf den Landesmittelwert
1 %−0,6 Punkte
2 %−1,2 Punkte
3 %−1,9 Punkte
Szenario: Wirkung auf den Landesmittelwert

Realistisch sind 1–2 Punkte (viele Auswanderer sind jung und noch ohne Kinder, Rückkehrer bringen Kinder mit). Über Jahrzehnte summiert sich der Effekt.

Hereditäre LesartAuswanderer sind nach Fähigkeit ausgewählt, ihre Kinder fehlen dauerhaft.
UmweltlesartEs fehlen Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern — derselbe Effekt über Förderung.

3b. Brain Drain wirkt mit Verzögerung: Osteuropa als Prüfstein

Auswanderungsländer (Rumänien, Bulgarien, Litauen, Lettland, Kroatien; je etwa 19–22 % der Bevölkerung im Ausland) im Vergleich zu Ländern mit wenig Auswanderung (Ungarn, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Polen; 6–12 %). Die Auswanderungsanteile sind grobe Werte (Größenordnung nach dem UN-Migrantenbestand, nicht einzeln geprüft).

Veränderung Mathehohe Auswanderungniedrige Auswanderung
2006 → 2015+8−7
2015 → 2025−20−22

Spitze der Verteilung (99. Perzentil): Rumänien 615 (2006) → 649 (2012) → 666 (2025), Bulgarien 650 → 651, Litauen 685 → 671, Lettland 671 → 659.

99. Perzentil Mathematik 2006–2025: hohe gegen niedrige Auswanderung
Im Verteilungs-Studio öffnen →
Warme Farben: Länder mit hoher Auswanderung, kühle Farben: Vergleichsländer mit wenig Auswanderung (Kroatien, Slowakei und Polen nicht eingezeichnet). Werte aus den PISA-Mikrodaten (Verteilungs-Studio), alle Schüler.
  • Bis 2025 ist kein Brain-Drain-Effekt sichtbar — weder im Mittel noch an der Spitze. In Rumänien wurde die Spitze sogar stärker.
  • Das ist aber kein Gegenbeweis: PISA testet 15-Jährige. Die besten Schüler (etwa IMO-Teilnehmer) gehen erst zum Studium ins Ausland; ihre Kinder werden dort geboren. Die große Auswanderung junger Erwachsener lief etwa 2002–2015; deren nicht in der Heimat geborene Kinder wären etwa 2020–2035 fünfzehn. PISA 2025 (Geburtsjahrgang 2009/10) erfasst davon nur den Anfang.
  • Prüfbar wird die These mit PISA 2029 und 2033: Sinken in Rumänien, Bulgarien und dem Baltikum dann vor allem das 90.–99. Perzentil stärker als in Vergleichsländern, spricht das für einen verzögerten Brain Drain.

4. Klassenzusammensetzung und Störungen („Bad Apple“)

Einwand: Störende Kinder senken den Schnitt aller, und das zeigt keine einfache Gruppenstatistik.

Messung: Schulen 2015–2025 (478 Schulen mit mindestens 10 Schülern), eingeteilt nach Migrantenanteil. Störquote = Anteil der Antworten „in jeder / den meisten Stunden“ zu Unterrichtsstörungen.

Schul-Fünftel nach MigrantenanteilMigrantenanteilStörquoteMathe EinheimischeStatus Einheimische
1 (niedrig)7 %25,7 %521+0,18
213 %27,1 %522+0,23
318 %28,2 %513+0,17
425 %29,0 %505+0,10
5 (hoch)40 %32,6 %467−0,19
Störquote nach Schul-Fünftel
Mathe der Einheimischen nach Schul-Fünftel

Schul-Fünftel nach Migrantenanteil (darunter der mittlere Anteil). Deutschland, PISA 2015–2025 gepoolt; eigene Auswertung, im Diagramm-Studio nicht nach Schulen verfügbar. Die Gruppen selbst (einheimisch, 2. und 1. Generation) zeigt das Diagramm-Studio.

Regression (einheimische Schüler; eigener Status, Status der Schule, Schulform, Jahr)

  • +10 Prozentpunkte Migrantenanteil an der Schule ↔ −2,7 Punkte (Standardfehler 0,65) bei Einheimischen derselben Schulform und mit gleichem Status.
  • Ohne Kontrolle der Schulform: −0,6 (nicht signifikant).
  • Störquote: +0,5 Prozentpunkte je +10 Prozentpunkte Migrantenanteil — messbar, aber klein.

Der Migrantenanteil an Schulen stieg von 17 % (2015) auf 29 % (2025). Mit −2,7 je 10 Punkte entspricht das etwa −3 Punkten für Einheimische (Spanne −2 bis −4,5).

Vorbehalt: Das ist kein sauberer Kausaleffekt — Familien wählen Wohnort und Schule, und darin steckt auch Status, der nicht gemessen wird. Die Studien zu Bad-Apple-Effekten mit sauberem Design (Carrell & Hoekstra) finden Effekte in ähnlicher Größenordnung. Eine frühere Auswertung im Projekt zeigte: Die Störquote in Deutschland ist seit 2012 kaum gestiegen.

5. Genetische Faktoren: Inzucht und Kinderzahl

  • Inzucht durch Zuwanderung: Der Anteil der Schüler mit Wurzeln in Ländern mit vielen Verwandtenehen (Türkei, Syrien, Afghanistan, Irak, Libanon) stieg von etwa 5 % auf etwa 9 %. Mittlerer Inzuchtkoeffizient aller 15-Jährigen grob 0,0005 → 0,0011. Mit der genomischen Schätzung (Howrigan 2016: Kinder von Cousins −0,6 SD) sind das etwa −0,6 Punkte (Obergrenze −1,5). Innerhalb stark betroffener Gruppen mehr (syrischstämmige Kinder: etwa 16 der 107 Punkte Rückstand).
  • Bei Einheimischen spielt Inzucht praktisch keine Rolle.
  • Kinderzahl nach Bildung: In Island sinken bildungsbezogene Genvarianten um grob 0,3–0,4 IQ-Punkte pro Jahrzehnt (Kong et al. 2017) — höchstens etwa −2 bis −3 PISA-Punkte in 10 Jahren. Für Deutschland keine eigene Schätzung.
  • Gegenbeispiel Türkei: Dort sank die Inzucht (Heiratsjahrgänge der PISA-Eltern: F ≈ 0,011 → 0,008), rechnerisch +1 bis +3 Punkte.
  • Verwandtenehen nehmen über Generationen ab: Türkeistämmige in Deutschland 33 % (1. Generation) → 10 % (2. Generation); Bradford (UK): 64 % → 46 % in neun Jahren.
Mathematik in der Türkei

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Türkei insgesamt und Schüler in der Türkei mit einem im Ausland geborenen Elternteil.
Türkeistämmige Schüler in fünf Ländern

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Schüler mit Herkunft Türkei in fünf Aufnahmeländern (Studio-Serie „gesamt“).

6. Bundesländer: PISA-E 2000–2006 und IQB 2012–2024

PISA-E (Mathematik, alle Schüler): 2006 lagen Sachsen (523), Bayern (522) und Baden-Württemberg (516) auf Weltspitzenniveau; deutschlandweit erreichten Schüler ohne Migrationshintergrund 519. Werte für Einheimische je Land weist das Projekt für PISA-E nicht aus.

IQB (Mathe 9. Klasse, Schüler ohne Zuwanderungshintergrund):

Land201220182024VeränderungAnteil „beide Eltern im Ausland“ 2024
Bremen530498480−5044 %
Brandenburg524499484−4011 %
Thüringen528512489−3910 %
Sachsen-Anhalt517500480−3710 %
Mecklenburg-Vorp.512485477−3510 %
Sachsen549540521−287 %
Nordrhein-Westfalen512518486−2633 %
Hessen516517492−2437 %
Bayern543546532−1125 %
Hamburg529–522−735 %
Baden-Württemberg518524514−431 %
Deutschland521521500−2127 %

(IQB-Skala, nicht mit PISA-Punkten vergleichbar.)

IQB Mathe 9. Klasse, ohne Zuwanderungshintergrund: 2012 → 2024, alle Länder
20122024ostdeutsches Flächenlandrechts: Anteil „beide Eltern im Ausland“ 2024
Im Regional-Explorer öffnen →
Sortiert nach Veränderung. Das Diagramm zeigt alle 16 Länder, die Tabelle oben eine Auswahl. Berlin, Bremen und Saarland 2012 laut IQB mit über 30 % fehlenden Angaben (im Regional-Explorer deshalb nicht im Verlauf). Der Link öffnet den Regional-Explorer mit IQB 2024, Zuwanderungsstatus je Land.
  • Die Einheimischen verloren am stärksten in den ostdeutschen Ländern mit nur etwa 10 % Zuwanderern, am wenigsten in Baden-Württemberg, Hamburg und Bayern mit 25–35 %.
  • Zusammenhang zwischen Rückgang der Einheimischen und Zuwandereranteil: r = +0,33 (also eher umgekehrt als erwartet); mit dem Anstieg des Anteils: r = −0,06.
UmweltlesartDer Rückgang der Einheimischen ist nicht durch Zuwanderung in die Klassen getrieben; im Osten fehlen besonders viele ausgebildete Lehrkräfte (hoher Anteil Quereinsteiger).
Hereditäre LesartOstdeutschland verlor 1990–2008 massiv junge, gut gebildete Menschen an den Westen. Die Eltern der Neuntklässler von 2024 (geboren um 2009) gehören genau zu den Jahrgängen, aus denen selektiv abgewandert wurde — ein Brain-Drain-Effekt innerhalb Deutschlands.

Beide Lesarten passen zu den Daten; sie lassen sich hier nicht trennen.

7. Bilanz

Rückgang Einheimische 2012 → 2025: PISA −36, IQB (2012 → 2024, 9. Klasse) −21.

FaktorGeschätzter Beitrag (PISA-Punkte, Einheimische)Belegstärke
Verdeckte Herkunft unter „Einheimischen“−1 bis −3mittel (Untergrenze über Familiensprache)
Migrantenanteil an der Schule (Peer/Bad Apple)−2 bis −4,5mittel (Querschnitt, nicht kausal)
Abwanderung von Akademikerfamilien−0,5 bis −2schwach (Szenario)
Inzucht≈ 0 (Gesamtbevölkerung −0,6)mittel
Kinderzahl nach Bildung−1 bis −3 (Obergrenze)schwach (keine deutsche Schätzung)
Summeetwa −5 bis −12
Nicht durch Zusammensetzung oder Genetik erklärtetwa −24 bis −31
Geschätzte Beiträge zum Rückgang der Einheimischen (PISA-Punkte, 2012 → 2025: −36)
Balken = Spanne der Schätzung. Gestrichelt: gesamter Rückgang der Einheimischen (−36).

Dazu kommt für die Gesamtbevölkerung die veränderte Zusammensetzung (mehr 1. und 2. Generation): etwa −12 Punkte.

Fazit: Die genannten Faktoren sind real und summieren sich tatsächlich auf „ein paar Punkte“ — zusammen etwa ein Sechstel bis ein Drittel des Rückgangs der Einheimischen. Der größere Teil des Verlusts liegt aber innerhalb der einheimischen Schülerschaft und tritt auch dort auf, wo kaum Zuwanderung stattfand (Ostdeutschland, Finnland mit −45 bei Einheimischen). Japan zeigt, dass ein hohes Niveau über 25 Jahre gehalten werden kann; Deutschland lag 2006 bei den Einheimischen gleichauf.

Quellen: bpb „Auswanderung aus Deutschland“; BiB/GERPS (Auswanderer 75 % mit Hochschulabschluss, Rückkehrer 69 %); IQB-Bildungstrend 2024; PISA-E-Berichte 2000/2003/2006; Howrigan et al. 2016 (Molecular Psychiatry); Kong et al. 2017 (PNAS); Born in Bradford (Wellcome Open Research 2024); BZgA 2010; Carrell & Hoekstra 2010; Bratsberg & Rogeberg 2018 (PNAS).